Roswitha Weingrill

Blanca Moser Nuschelbrunnen, 2020

Sperrholz, Solar- und Brunnenelemente, Plastikkübel, Wasser

Der Blanca Moser Nuschelbrunnen feiert die Verdienste von Blanca Moser, geb. Blanka Hirschler, die ihren Mann von den Provinzbühnen der K.u.K Monarchie holte, um ihm zum späten Durchbruch als allseits beliebter Volksschauspieler zu verhelfen. Aus einer jüdischen Schauspielerfamilie stammend nutzte sie ihre präzisen Kenntnisse der Theaterwelt um Hans Moser, geb. Johann Julier, Engagements zu vermitteln, Verträge zu verhandeln und mit ihm Rollen einzustudieren. Sie überlebte die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten im ungarischen Exil.

Die Gestaltung des Brunnens hebt die Leistungen von Blanca Moser hervor, die gemeinhin hinter ihrer Bezeichnunge als Hans Mosers Ehefrau verwschwinden.  Die Begriffe Buchhalterin, Mangagerin, Archivarin und Agentin. sind aus der Verschalung des Brunnens ausgeschnitten und legen die dahinter liegenden Solarpaneele frei, die den Nuschelbrunnen in Betrieb setzen.

Blanca Moser Nuschelbrunnen
Blanca Moser Nuschelbrunnen
Blanca Moser Nuschelbrunnen
Blanca Moser Nuschelbrunnen

Müde Gesten, 2020

Matratze, Decken, Stoffe, Gelscheine, Plastikfolie

Die Finger der überdimensionierten Stoffäuste aus der Serie „Müde Gesten“ haben Dreck unter den Nägeln: Reste von Geldscheinen blitzen in kleinen Halbkreisen unter den aus Folien zurechtgeschnittenenen Nägeln hervor. Der Kampf im und gegen den Kapitalismus hinterlässt eben seine Spuren.

Müde Gesten
Müde Gesten
Müde Gesten
Müde Gesten
Müde Gesten
Müde Gesten

Paradox Toolbox umfasst absurde Zeichenobjekte und siedelt sich im Spannungsfeld von künstlerischer Originalität und ökonomischen Realitäten an. Basierend auf Forschungen zu Potentialen von online self-costumization der Wissenschaftlerin Evgeniia Filipova an der WU Wien werden übermäßig komplexe Stifte und Zeichenobjekte entwickelt, die so viele Zeichenmöglichkeiten bieten, dass eine zielgeführte Benützung beinahe unmöglich erscheint.

Paradox Toolbox
Paradox Toolbox
Paradox Toolbox
Paradox Toolbox

Llaokoon, 2018

Samt, Karton, Futterstoff

Im übergroßen Pullover aus Samt „Llaokoon“ sind die titelgebende Figur der griechischen Mythologie und seine Söhne durch aufgerichtete Daumen ersetzt, um die sich tödliche Seeschlangen winden. In längerfristigen Ausstellungssituationen ruht die Arbeit auf einem Ständer, angezogen wandelt sie blind taumelnd einem komischen Maskottchen ähnlich im Raum umher.

Llaokoon

Phtalogrün und Spirulinaalgen zeigen in etwa den gleichen Farbton, ein mitteldunkles, kühles Grün. Das Pigment Phtalocyaningrün wurde 1928 zufällig in der schottischen Fabrik Scottish Dyes Ltd. entdeckt, als an der Stelle, wo die Emaillebeschichtung eines Gefässes abgebröckelt war, ein blauer Farbton am Eisen erkennbar wurde. Es wurde also industriell Im Gegensatz dazu ist die grüne Farbe der Spirulinaalgen nicht ihre primär genutzte Charaktereigenschaft. Aufgrund ihrer Nährstoffdichte werden die Algen oft als Superfood bezeichnet und als Nahrungsmittelergänzung genutzt. Während also Phtalogrün einen historisch-industriellen Hintergrund aufweist, kommen Spirulinaalgen aus einer Umgebung, in der Naturnähe im Vordergrund steht. Gleichzeitig werden aufgrund der Popularität des Algenpräparates hohe Produktionszahlen zur Gewinnmaximierung erforderlich, was wiederum eine industrielle Verarbeitung der Algen mit sich bringt.

In Gipsröhren gegossen, begegnen sich die beiden Stoffe in mehreren Schichten, vermischen sich in unterschiedlichen Graden, bilden Marmorschlieren oder aber reagieren miteinander etwa in blauen bzw. dunkelrot-bräunlichen Farbsprenkeln. Die Arbeit „multimasking“ befasst sich auf experimentelle Art und Weise mit der Nutzung der Begriffe Natur und Künstlichkeit.

Multimasking
Multimasking
Multimasking

Die Ausstellung "Tafelwald" bildet den Auftakt zum ganzjährigen Ausstellungsprogramm im KOMM.ST Lab Anger, das von Günther Friesinger und Roswitha Weingrill kuratiert wird.

Im Zug der steirischen Gemeindereform 2016 entwickelten sich zumTeil überrschaschend emotional geführte Diskussionen, Gespräche und Medienbericht über die umstrittene Verwaltungsreform. Verhandlungen von Identität in kleinen bis mittelgroßen steirischen Gemeinden brachten teilweise vorher nicht als wichtig befundene Abgrenzungen und Zugehörigkeiten zum Vorschein. Die grafische Serie “Tafelwald” verleiht Ortstafeln, grundsätzlich unbeseelten Objekten, menschliche Züge und Charaktereigenschaften, um der tiefen Emotionalität dieser Diskussion auf den Grund zu gehen.

 

 

Tafelwald
Tafelwald
Tafelwald
Tafelwald
Tafelwald

Ernst Kris und Otto Kurz veröffentlichen 1934 „Die Legende vom Künstler – Ein geschichtlicher Versuch“. Darin untersuchen sie die historischen Zuschreibungen an KünstlerInnen abseits von überlieferten Lebensläufen und verweigern sich dabei nicht dem Anekdotischen als Ausgangsmaterial, das sie einer genauen Analyse unterziehen. Im Gegensatz zur wissenschaftlichen Herangehensweise der Untersuchung von Kris und Kurz verhält sich die Strategie der Arbeit von Roswitha Weingrill wie der Elefant im Porzellangeschäft – sie deutet Verbindungen an, die es so vielleicht gar nie gegeben hat, assoziiert frei und unbekümmert, lässt die Anekdoten in Pointen gipfeln. Entlang der Drehangelpunkte in den Biographien der Autoren von der Studienzeit unter Julius Schlosser über die Emigration nach England und die USA im Zuge des aufkeimenden Nationalsozialismus bis hin zur Psychoanalyse Marilyn Monroes durch Marianne Kris, der Ehefrau von Ernst Kris, schreibt sich die Arbeit in die Pinnwände im Eingangsbereichs des Instituts ein.
Im Wiener Belvedere befindet sich Franz Xaver Messerschmidts Selbstportrait mit dem Titel „Der Künstler, wie er sich lachend vorstellt.“ Ernst Kris’ Einordnung der Arbeiten Messerschmidts als Manifestation der Schizophrenie des Künstlers ist heute umstritten. Auffällig an der Formulierung des Titels ist, dass der Künstler sich sein eigenes Lachen vorstellt. Er bildet nicht sein Spiegelbild ab, sondern kreiert es aus seiner Vorstellung heraus. Die Kreidezeichnung auf der Flügeltafel zeigt den lachenden Mund der Büste des Barockbildhauers.

 

ERNSTOTTOKRISKURZ
ERNSTOTTOKRISKURZ
ERNSTOTTOKRISKURZ
ERNSTOTTOKRISKURZ
ERNSTOTTOKRISKURZ
ERNSTOTTOKRISKURZ
ERNSTOTTOKRISKURZ
ERNSTOTTOKRISKURZ

Im 17. Jahrhundert avancierte die Ananas (Ananas comosus bzw. Ananas sativus) zum Statusobjekt auf europäischen Fürstenhöfen. Geringe Transportfähigkeit und fehlende regionale Anbautechnik ließen die Ananas eine Seltenheit bleiben, was ihren Wert enorm steigerte. Zu repräsentativen gesellschaftlichen Anlässen wurde die Ananas gleich einem Modeaccesoire mitgeführt und präsentiert. Überstiegen die Anschaffungskosten der Frucht die eigenen finanziellen Möglichkeiten, konnte man das Angebot einer Mietananas in Anspruch nehmen. Später wurde die Ananas zu Symbol des übertrieben dekadenten Lebensstil der herrschenden Klassen im ausgehenden 18. Jahrhundert und kritisch in zeitgenössischen Karikaturen verarbeitet.


Der Kurzfilm „Piña de moda“ entstand während eines Aufenthaltes in Mexiko Stadt im Herbst 2016. Darin wird eine Ananas vor verschlossenen Eingangsportalen präsentiert und in Posen vorgeführt, die sich an Darstellungen barocker höfischer Gesellschaftsereignissse orientieren. Das Video wurde an verschiedenen Schauplätzen in Lomas de Chapultetepec gedreht, einem exklusiven Stadtviertel in Mexiko Stadt. Zahlreiche Überwachungskameras und Sicherheitspersonal schützen die Gegend vor aufdringlichen Blicken, was ohnehin schon durch massive Zäune und imposanten Toren erschwert wird. Anflüge von eurozentristischem Exotismus wirken hier mehr denn je deplaziert.

Kamera: Marlene Hausegger
Sounddesign: Fernando Pérez García, Maria Fernanda Otero Ángeles

Piña de moda
Piña de moda
Piña de moda
Piña de moda
Piña de moda

Verfolgt man Berichterstattungen über Hurricanes der südlichen (tropischen) USA, sieht man häufig Bilder von windverzerrten Palmen, an deren Biegen und Wehen man die Windstärke visuell ablesen können soll. Die häufigste Palmenart Floridas, Dictyosperma album, wird auch hurricane palm genannt. Grund dafür ist ihre Fähigkeit bei starkem Wind ihre Blätter fallen zu lassen, um schwerwiegende Beschädigungen am Stamm zu vermeiden. Dieser Sicherheitsmechanismus der Natur scheint auf den ersten Blick drastisch, schließlich sind es die typische Form der Blätter, an denen man (die gemeine Mitteleuropäer_in ihre) Palme als Wegweißer zum Strandparadies erkennt.

Was aber bleibt zu tun im Morgengrauen der Klimaerwärmung wenn die Natur ihre zerstörerischen Kräfte zeigt? In zahlreichen Ratgebern zum richtigen Verhalten im Fall einer nahenden Naturkatastrophe ist ein stabiler und sicherer Rückszugsort von zentraler Bedeutung. Den Sturm abzuwarten und auszusitzen, wenn die Kräfte der Natur Überhand gewinnen, ist hier die Devise. An eben diesen Rückzugsort möchte ich die hurricane palm mitnehmen, zweckdienlich platzsparend und möglichst faltenfrei zusammengelegt.

„How to fold a palm tree“ entstand im Rahmen der Sponsoring-Partnerschaft zwischen dem steirischen herbst und Gaulhofer Industrie-Holding. Am Ausgangspunkt dieser Arbeit steht die Videoaufzeichnung eines Impact Tests für Gaulhofer Fenster. Der globale Vertrieb der Produkte aus dem Werk in Übelbach bringt immer wieder neue Herausforderungen mit sich, in diesem Fall fordern die zerstörerischen Hurricanes des tropischen Floridas spezifische Standards ein. Der gezeigte Testaufbau simuliert einen Windstärkenbereich, bei dem nun zwar die Fensterscheiben standhalten, wahrscheinlich aber das Haus drumherum zusammenbrechen würde. Hier, an diesem Moment der ins scheinbar Absurde abgleitenden Sicherheitsbedürfnisse, setzt die Arbeit „How to fold a palm tree“ an.

How to fold a palmtree
How to fold a palmtree

Es gibt den Weg., 2016

Richard Kratochwill - Künstler und Kulturarbeiter

Kulturpolitik erfuhr in den letzten Jahren einen großen Bedeutungsverlust. Das ist auf finanzielle Rückschritte zurückzuführen und auf das auch davon offenbar überforderte Politikpersonal. An Richard Kratochwill, (Foto-)Künstler von österreichischem Rang und Kulturarbeiter in der Stadt Weiz (1953 –1989), wird deutlich, dass ein solider künstlerischer Zugang und eine sozialpolitische Verankerung auch abseits größerer Städte qualitativ hochstehende, neue Kunst etablieren kann.

Eine Ausstellung der Steirischen Kulturinitiative in Kooperation mit Forum Stadtpark gestaltet von Roswitha Weingrill. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

 

 

Es gibt den Weg.
Es gibt den Weg.
Es gibt den Weg.
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